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Analogie#33

No.33

Analogie

„Meine Damen und Herren, in wenigen Minuten erreichen wir Erfurt. Sie erreichen alle Anschlusszüge wie geplant“, sagt die freundliche Stimme der jungen Zugbegleiterin. Sie klingt weitaus sympathischer als die Horde angetrunkener Frauen auf ihrem Junggesellenabschiedstrip um mich herum. Diese können sich nicht entscheiden, ob sie nun Zug fahren um zu trinken und zu feiern oder doch um alle Vorzüge unterschiedlichster Tupperware-Artikel in feinstem Sächsisch zu demonstrieren und auszudiskutieren. Ich bin vor allem davon fasziniert, wie viel Tupperware in diesen Rucksack passt und wie viel Zwiebel-Knoblauch-Salat wiederum in den bunten Behältnissen Platz findet. Aber worüber beschwere ich mich, schlussendlich ist es nur eine Tupper- und keine Dildoparty. Also nutze ich die Zeit bis zu meinem nächsten Halt: Ich gebe mir Nils Frahm auf die Ohren, nehme mir die Scans der letzten drei Filme zur Hand und rekapituliere das erste Quartal dieses Jahres.

»Denn jede Reportage ist anders und verlangt, dass ich mich immer wieder darauf einlasse.«

Allerhand zu tun

Schon jetzt ist sehr viel passiert. Einige schöne Projekte liegen derzeit auf meinem Schreibtisch. Darunter unter anderem allerhand spannende Fotoreportagen. Ein Aspekt meines Berufes, der es mir ermöglicht, immer und immer wieder Einblicke in interessante Berufe zu bekommen, verborgene Ort zu besuchen, faszinierende Menschen und Persönlichkeiten kennenzulernen und wahrhaftige  Momente und Emotionen mitzuerleben. Natürlich ist nicht jede Reportage spannend und oft werde ich auch meinem eigenen Anspruch nicht vollends gerecht, aber das nährt schlussendlich den Willen, stets besser zu werden und sich weiterzuentwickeln. Denn jede Reportage ist anders und verlangt, dass ich mich immer wieder darauf einlasse und gedanklich wie emotional eintauche.

So genoss ich den Sonnenaufgang im tiefsten Schnee mit den Schornsteinfegern auf dem Dach, kroch durch eine Kühlkammer eines Bäckers, um anschließend meine Kamera in seinen Backofen zu schieben und begleitete Kinder bei der Gründung eines neuen, Glück verheißenden Landes im Rahmen eines Theaterprojektes.

Es  bleibt immer spannend. Doch auch allerhand andere Projekte begleiten mich in meinem Alltag und nicht bei allen fotografiere ich. Bei einem aktuellen Projekt schreibe ich beispielsweise hauptsächlich. Aber für weitere Informationen dazu müsst ihr euch noch etwas gedulden.

»Nur wir, die Weite, nebelverhangene Landschaften und das Rauschen des Meeres.«

Freiraum

Bei all der Arbeit habe ich mir dieses Jahr vorgenommen, mir auch öfter mal Zeit zu nehmen, um meinen Fokus nicht zu verlieren. Das heißt vor allem , mich und meine Arbeit zu reflektieren. Im Januar habe ich auch direkt damit angefangen und eine Woche an der vereisten Nordsee verbracht. Es war herrlich beruhigend, da außer uns gefühlt niemand an diesem Ort war. Nur wir, die Weite, nebelverhangene Landschaften und das Rauschen des Meeres. Perfekt, um Gedanken zu sortieren, Wein zu trinken und Atmosphäre aufzusaugen. In der Zeit habe ich unter anderem auch die Leica M Monochrome getestet (den Bericht dazu findet ihr hier). Doch bei diesem Ausflug soll es nicht bleiben. Die Planung für weitere, projektbezogene Ausflüge ist schon im vollen Gange. Kleine Spontantrips in andere Städte, um beispielsweise gegen Artikel13 zu demonstrieren oder um eine Woche zu früh zu einer Geburtstagsfeier anzureisen, dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Wieder zurück in Dresden habe ich mit Clemens unseren gemeinsamen Kreativraum bezogen. Er hört auf den Namen Büro West und bietet uns Platz, Ideen zu entwickeln, umzusetzen und auszuwerten. Vor einigen Wochen habe ich in dem noch leeren Raum schon mit Taya rein analog geshootet. Mittlerweile füllt sich unser gemeinsamer Raum  immer mehr mit Leben und bekommt jede Woche mehr Charakter. Mittlerweile habe ich schon viele Tage und Nächte dort verbracht und auch der Ginlos-Podcast wird dort in zwei gemütlichen Ledersesseln, zwischen denen ein Schachtisch steht, aufgenommen. Zwei Folgen aus dem Raum sind schon online. In diesen diskutieren wir unter anderem über das Geschäft mit Presets und mehr Qualität, statt Quantität in der Fotografie. Ich denke, dass ihr an dieser Stelle noch einiges aus dem Büro West hören werdet.

Doch bis dahin fahre ich weiter Zug und beobachte wie der Junge neben mir auf seinem Smartphone Zugsimulator spielt. Wobei sich mir die Frage stellt, ob er eventuell sogar diesen Zug fährt?

Der Klang des Monats
Notes
Leica M2
Leica 50mm ƒ2.0 summar, Leica 35mm ƒ2 summicron
KODAK Portra 160, KODAK TRI-X 400, KODAK TMax P3200
Fotolabor Görner
Leica M2
Leica 50mm ƒ2.0 summar, Leica 35mm ƒ2 summicron
KODAK Portra 160, KODAK TRI-X 400, KODAK TMax P3200
Fotolabor Görner
julius

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