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In einer Welt, in der es nur schwarz und weiß gibt.

Testbericht: Leica M Monochrome

*Enthält unbezahlte Werbung von FOTO GÖRLITZ

Es begab sich zu einer Zeit,

als die digitale Kamera so langsam als echte Alternative zur Filmkamera gehandelt wurde und sie auch qualitativ ernst genommen wurde. Das mag lächerlich klingen, aber all zu lange ist das noch gar nicht her. Nikon zum Beispiel stampfte seine analoge Schiene 2006 ein, um sich ab diesem Zeitpunkt auch in der professionellen Fotografie ausschließlich auf den digitalen Markt zu fokussieren. Seit dem Siegeszug der digitalen Fotografie ist klar: Es wird in Farbe fotografiert. Denn spätestens in der Post kann man immer noch eine Schwarz-Weiß-Entwicklung vornehmen und das sogar viel gezielter, als bei der direkten Verwendung eines Schwarz-Weiß-Filmes.

Diese Arbeitsweise ist mittlerweile zu einem Standard geworden, der selten reflektiert oder gar in Frage gestellt wird. Und dann kam Leica um die Ecke und hat ganz progressiv einfach mal eine digitale Kamera auf den Markt gebracht, die schlichtweg nur schwarz-weiß fotografiert: Die Leica M Monochrome, die ich Dank des “Kamera auf Reisen”- Programms von Foto Görlitz antasten durfte. Leica selbst wirbt vor allem mit einer hohen Detailschärfe und Brillanz, da die Extraebenen für die Farbaufschlüsselung auf dem Sensor entfallen und man sich ausschließlich auf die Kontrastinformationen beschränkt. Soweit so unspannend. Spannender wird es, bei der guten Low-Light-Performance, aber all dieses technische Datenblattgefummel ist nun wirklich nicht meins. Mich interessiert es eher, wie es sich anfühlt mit einer Kamera zu fotografieren und wie sie sich in den eigenen Schaffensprozess einbringt.

Knapp drei Wochen hatte ich die Leica M Monochrome, neben meiner üblichen analogen Begleitung, der Leica M2, dabei. Und um ehrlich zu sein, war ich am Anfang etwas desillusioniert. Die Monochrome rief nicht mal annähernd ähnliche fotografische Gefühle in mir hervor, wie meine M2. Ohne Frage, diese Kamera schmeichelt der Hand und sieht gut aus und dennoch bringt sie den Charme einer noch unausgereiften Digitalkamera in den Kinderschuhen mit sich. Das liegt vor allem an dem Display, das einfach nicht mehr mit dem aktuellen Sehvermögen mithalten kann, und dem nicht mehr neuesten Betriebssystem von Leica. Man merkt, diese Kamera ist bereits eine Weile auf dem Markt. Fernab davon ist sie jedoch Leica typisch schön reduziert und macht es einem leicht, sofort das erste Motiv ins Auge zu fassen ohne sich groß Eindenken zu müssen.

Glücklicherweise war ich in dieser Zeit auch im Urlaub an der vereisten Nordsee und konnte sie dort, noch einmal ganz anders als im Alltag, ausgiebig testen. Denn dort kam ich dann wirklich dazu, mich eingehend mit der Kamera zu beschäftigen und langsam mit ihr warm zu werden. Mehr und mehr wuchs die Freude, sie stets griffbereit zu haben und mich mal wieder etwas in der Streetphotography zu bewegen. Die Reduzierung auf schwarz und weiß kommt einem da stark entgegen. Doch vor allem in der Post spielt die Kamera ihre Stärke aus, denn da ist gar nicht so viel zu tun. Man kann natürlich noch weitaus mehr aus den Bildern herausholen, muss dies aber nicht. Aus der Kamera purzelt ein RAW, das so gut wie fertig ist. Auch bei schlechten Lichtbedingungen liefert sie Ergebnisse, die sich sehen lassen können und die von Grund auf harmonisch ausbalanciert sind. Eine Kamera, die nach Ruhe und Entschleunigung ruft und dies auch im Bildlook widerspiegelt.

Schlussendlich muss ich sagen, dass man diese Kamera nicht mit anderen Kameras vergleichen sollte. Die Leica M Monochrome hat ihre ganz eigene Sparte und ihr ganz eigenes Anwendungsgebiet. Ich würde sie niemals ausschließlich bei einem Shooting verwenden, da ich es liebe, mit Farben zu arbeiten und sie in meine Komposition einfließen zu lassen. Aber abseits der professionellen Arbeit und der bewussten Inszenierung von Motiven stellt sie einen ruhigen Begleiter dar. Einen Begleiter, der einem aufgrund seiner Reduziertheit viele Entscheidungen einfach abnimmt, da es sie gar nicht erst gibt. Eine sehr gute Kamera zur Dokumentation.

julius

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