Thu FD

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Thu

fermentation days

a Project by Philipp Götze and Julius Erler

Racism has always been a part of my life, a part that I was systematically taught to tolerate by society. At least it is what I know now. Yet it never affected me excessively, a certain confusion and an aftertaste remained. The confusion may be the reason why I never spoke up against it. I am not only talking about “it was not meant like that” racist comments from people I know, like friends, colleagues or family; but strangers in particular. You would think, what gives any stranger the right to judge your personality, mind and heritage? To come up to you and speak their mind thinking they already know who you are? To put you in a box while objectifying and standardizing you as an individual person? Well, I have always asked myself this question and still do to this day.

Rassismus war schon immer ein Teil meines Lebens, ein Teil den ich systematisch von der Gesellschaft tolerieren gelernt habe. Zumindest ist es das, was ich jetzt weiß. Auch wenn es mich nie übermäßig berührt hat, sind eine gewisse Verwirrung und ein Nachgeschmack geblieben. Die Verwirrung könnte der Grund sein, warum ich mich nie dagegen ausgesprochen habe. Ich spreche nicht nur von ungewollt rassistischen Kommentaren von Leuten, die ich kenne, wie Freunden, Kollegen oder der Familie; aber vor allem Fremde. Jetzt fragst du dich, was gibt einem Fremden das Recht, deine Persönlichkeit, deinen Geist und deine Herkunft zu beurteilen? Dich zu konfrontieren und ihre Meinung zu sagen, als ob sie bereits wissen, wer du bist? Dich in eine Schublade zu stecken, während du als individuelle Person objektiviert und standardisiert wirst? Nun, ich habe mir diese Frage immer gestellt und tue es bis heute.

Did you already eat rice today?

We all go shopping: groceries, clothes. When I go shopping, I get something else delivered on top. Very creative (flirt?) strategies and quotes like: 

Did you already eat rice today? Can you really cook the asian dishes? 

Do you also speak the language? You know, the asian language?

You must be Chinese! 

And do your parents also sell fruits and vegetables?

Wow, it is amazing that you have such big eyes! That is so special since you are asian. 

Wir gehen alle einkaufen: Lebensmittel, Kleidung. Wenn ich einkaufen gehe, bekomme ich noch etwas anderes dazu. Sehr kreative (Flirt?) Strategien und Zitate wie:

Hast du heute schon Reis gegessen? Kannst du die asiatischen Gerichte wirklich kochen?

Sprichst du auch die Sprache? Kennst du, die asiatische Sprache?

Du musst Chinesin sein!

Und verkaufen deine Eltern auch Obst und Gemüse?

Wow, es ist erstaunlich, dass du so große Augen hast! Das ist so besonders, da du ja Asiatin bist.

One conversation always stood out to me in particular and emphasizes what I am trying to say. For some reason, the fact that I have vietnamese roots has a direct correlation to me “having witnessed the vietnamese war”. It is hard for me to understand why people feel the urge to discuss a war with me – in a way that indicates I was there myself. Do I look that old? I mean, the war was 45 years ago… Surely I know everything about it since I was there myself. So once a guy presumed all of that. Then, in the middle of the conversation he says, out of nowhere, that I reminded him of a photo he saw in a museum from a girl who was raped in the vietnamese war. I had no words for that and could only laugh hysterically. Still, I was unable to tell him that it was absolutely inappropriate to say something like that.

Ein Gespräch ist bei mir besonders hängen geblieben und unterstreicht, was ich versuche zu sagen. Aus irgendeinem Grund ist die Tatsache, dass ich vietnamesische Wurzeln habe, der direkte Beweis das ich Zeuge des vietnamesischen Kriegs war. Es fällt mir schwer zu verstehen, warum einige Menschen den Drang verspüren, einen Krieg mit mir zu besprechen – auf eine Weise, die anzeigt, dass ich selbst dort war. Sehe ich so alt aus? Ich meine, der Krieg war vor 45 Jahren … sicher weiß ich alles darüber, da ich selbst dort war. Einmal vermutete ein Mann das alles. Dann, mitten im Gespräch, sagte er wie aus dem nichts, dass ich ihn an ein Foto erinnerte, das er in einem Museum von einem Mädchen gesehen hatte, welches im vietnamesischen Krieg vergewaltigt worden war. Ich hatte keine Worte dafür und konnte nur hysterisch lachen. Trotzdem konnte ich ihm nicht sagen, dass es absolut unangemessen war, so etwas zu sagen.

Now I laugh about it. Maybe I will find words in moments like these one day. Luckily others already have, raising awareness and sharing their experiences, which makes me feel more calm and reassured for the change to a more unbiased world. I hope you will find your words too, even if you may not have experienced such moments like I have.

Jetzt lache ich darüber. Vielleicht finde ich eines Tages in solchen Momenten Worte. Glücklicherweise haben andere dies bereits getan, um Bewusstsein für die Thematik zu schaffen und ihre Erfahrungen auszutauschen. Was mich beruhigt und Hoffnung auf eine unvoreingenommenere Welt bringt. Ich hoffe, du wirst auch deine Worte finden, auch wenn du solche Momente vielleicht nicht erlebt hast.

About the
project

Rassismus – ein Problem, das sich für viele von uns sehr weit weg anfühlt und bei dem es scheinbar keine großen Berührungspunkte gibt. Zumindest laut der gefühlten, öffentlichen Meinung, welche aber spätestens seit der Black Lives Matter Bewegung immer stärker ins Wanken gerät. Und sind wir mal ehrlich: Rassismus ist ein Problem, das nicht nur Randbereiche unserer Gesellschaft betrifft, sondern in allen Lebensbereichen Thema ist. Sei es der unbeabsichtigte Alltagsrassismus, dem wohl jeder immer wieder und allzu schnell verfällt oder der offensichtlich feindselige Rassismus, der sich dank gewisser Medien und Parteien leider immer stärker etabliert . Ein Problem inmitten unserer Gesellschaft, genau vor unserer Haustür. Doch wie stellt man sich diesem Dämon?

Wir denken, dass vor allem der öffentliche, kontinuierliche Austausch und das Sichtbarmachen von Rassismus helfen kann, um unser eigenes Handeln in Frage zu stellen und somit kleine Schritte voran zu gehen, damit wir uns schlussendlich gemeinsam ein gutes Stück in die richtige Richtung bewegen. Dafür möchten wir betroffenen Menschen mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, eine Plattformen bieten. Eine Plattform für echte Geschichten von realen Menschen an den mitunter banalsten Orten, die wir alle kennen. Orte, die zu unserem Alltag gehören, doch für manche Menschen auf einmal zu roten Zonen werden, zu Gefühlen, die sie ihr ganzes Leben lang begleiten.

Racism – a problem that feels far away and not very tangible for many of us. There are seemingly not a whole lot of contact points, at least according to the perceived public opinion, though this consensus has been increasingly faltering, especially since the Black Lives Matter movement. And let’s be honest: racism is a problem that does not only affect marginal areas of our society but all aspects of life. Be it the unintentional everyday racism, which most of us repeatedly fall victim to rather quickly, or the obvious hostile racism that is, unfortunately, becoming increasingly established thanks to certain media and political parties. A problem in the middle of our society, right at our doorstep. But how do we face this demon?

We think that a continuous public exchange and making racism visible can help us question our own actions and thus to take small steps forward, so that we can finally move in the right direction together. For this purpose, we would like to utilize the means at our disposal and offer a platform for affected people. A platform for real stories by real people in the sometimes most mundane places we all know. Places that belong to our day-to-day lives but have suddenly become red zones for some people, harboring feelings that accompany them throughout their lives.